Some days even my lucky rocket ship underpants don’t help. (Calvin)

Warum wir fotografieren

Autor: Ralf-Jürgen Stilz | Datum: 6. August 2010 | Kategorie: Fotografie

Philosophische Gedanken zum Wochenende auf photoappar.at? Das hat uns gerade noch gefehlt! Denkt Ihr, ich schreibe es trotzdem auf. Warum wir fotografieren? Das ist die Frage.

Warum wir fotografieren
Warum wir fotografieren Copyright Tina Märker

Günter Spitzing hat in seinem Buch Fotopsychologie – Die subjektive Seite des Objektivs (welch spitzfindiger Titel!) die Antwort gefunden. Folgende Motivation steckt hinter unserer Fotografie:

1. Jäger und Sammler
2. Macht
3. Sexuelle Dimension
4. Schöpferische Lust der Darstellung
5. Darstellung von Schönheit

Wahrscheinlich kann man sich auch mehrdimensional vertreten sehen. Ich habe das Buch leider nicht selbst, sondern bin durch eine Diskussion über Blümchenfotografie in Tilla Pes Blog auf ein Kommentar von Dr. Eberhard Huber gestossen (verzwickte Geschichte, ich weiss!). Aber irgendwie finde ich, passt das ziemlich gut.

Jäger und Sammler, da müsst Ihr nur mal auf Eure Festplatten (oder in Eure Schuhkartons voller Dias) schauen. Macht? Denkt mal darüber nach, warum das Model alles tut, was man ihm sagt. Sex! Teleobjektive als Phallus-Symbol oder der schmale Grat zwischen Erotik und Porno? Schöpferische Lust der Darstellung trifft wohl auf beinahe alles zu. Und Darstellung von Schönheit ist tatsächlich meine Motivation, schon immer gewesen. Ich versuche, selbst einen kaputten Blumenkübel noch gut aussehen zu lassen.

Braucht es noch mehr Motivation zum Fotografieren?

14 Kommentare bisher

  1. Danke noch einmal für den Gedanken-Anstupps … ich steuer dazu sehr gerne noch mal, den – wie ich finde – genialen kleinen Blogartikel von Chase Jarvis bei: For the Love of Photography http://bit.ly/cVrlZ4

    For the Love of Photography … das ist es wohl, weil man anderen die Welt so zeigen möchte, wie man sie selbst sieht. Diese wunderbaren Momentaufnahmen, die sich zwischen (oder in) ganz banalen Dingen finden lassen. Für die kleinen Gemälde aus Licht, die man in einem Detail entdecken kann … für die vielen ungesehenen Juwelen, die an keiner Goldkette an niemandes Hals hängen, und die man gerade darum erhalten bzw. festhalten möchte.

    Philosophieren war erlaubt oder?

    Liebe Grüße,
    Moni

  2. Philosophieren ist sogar ausdrücklich erwünscht!

  3. Was auch immer die tiefere Motivation sein mag.
    In der Summe ist es der daraus resultierende Spaß…

    Grüße,
    Michael

  4. Da fand ich den Chase Jarvis Artikel aber irgendwie sinniger… Denn wie schon die Moni schrieb, man macht es doch wohl so, weil sich halt überall so schöne kleine Momenta, Lichtblicke finden lassen.

    Wenn ich einen Punkt gelten lasse, dann den “Jäger und Sammler” Punkt… Ach ja, 4. und 5. irgendwie noch, wobei das mit 1. aber bei mir Hand in Hand geht.

    2. und 3. ist bestenfalls schräg. Wobei ich mir, seitdem ich parallel auf ipernity und nicht nur auf flickr bin, schon manchmal Gedanken mache… noch nie bin ich so oft über Photostreams gestolpert, wo ganz offensichtlich jemand nix anderes zu tun hat, als mit einem Tele lauter junge Joggerinnen zu fotografieren und das auch noch online stellt.

    Aber vielleicht liegt es ja daran, dass ipernity aus Frankreich kommt… Vorurteile an die Front!

  5. Moni hat es nur schöner formuliert. Rein wissenschaftlich betrachtet (und ausgedrückt) sind die 5 Punkte in der Liste schon stimmig, es erkennt sich nur nicht jeder in allen Punkten wieder.

    Das hat btw nix mit Ipernity zu tun. Auf Flickr gibt es noch viel schrägere Gruppen. Wahrscheinlich hast Du einen deutschen Account, da siehst Du nur die safe und moderate Gruppen.

  6. Was ist mit der Suche nach Anerkennung?
    Den “Ahhh”s, und “Ohhh”s derer, denen wir die Bilder zeigen?
    Was ist mit der Lust neues zu Entdecken? Orte, an die wir uns sonst nicht bemühen würden?
    Der Freude an der Technik?
    Dem Austausch mit anderen Knipsern?

    Ich denke die Motivation ist vielschichtiger als gemeinhin angenommen.

  7. Das meiste fällt in die Kategorie “Jäger und Sammler”. Schau mal in den Link hinter dem Wort Kommentar. Da verbirgt sich eine etwas detailliertere Erläuterung der 5 Punkte.

  8. Sehr sehr schön finde ich das Zitat: “Motiv heißt Beweggrund” … so habe ich mein Motiv bewußt noch nie betrachtet.

  9. Stimmt… diese Flickr – Filtering Geschichte hatte ich schon wieder verdrängt. Ein Teil der damaligen Flickr-Flüchtlinge findet sich ja eben da auf ipernity wieder.

    Aber diese “Spanner” Bilder sind echt kein Verlust.. wir reden hier nicht von Aktfotos und dergleichen, sondern das waren wirklich so Dinger wie aus dem Gebüsch heraus geschossen auf irgendwelche Nichtsahnenden…. es kann natürlich auch sein, dass das ein ganz schräges Kunstprojekt ist. ;) Wer weiß.

  10. Die schrägen Kunstprojekte sind die besten!

  11. Sorry, aber bei der Auflistung (die ich durchaus für zutreffen halte) fehlen mir drei Punkte:

    6. Jemand anderem etwas Besonderes / die eigene Sichtweise zeigen
    7. Geschichten erzählen
    8. Erinnerungen festhalten

  12. Hi Georg,

    Deine Punkte 6 und 7 sind Spitzings Punkt 4. Und Deine Nummer 8 ist meines Erachtens klassisch für Jäger und Sammler.

  13. Zuerst mal Hallo und Danke für die Verlinkung meines Kommentars bei Tilla bzw. meines Blogs.

    Wie es schon anklang war der Kommentar über die Motivation gewissermaßen ein Literaturreferat. Ich sehe durchaus noch andere Motivationen (künstlerisch, emotional kommunikativ, Streben nach Anerkennung, Bedürfnispyramide). In absehbarer Zeit möchte ich das alles mal in einem eigenen Beitrag zusammen fassen.

    viele Grüße Aebby

    P.S: in Fotokreisen heiße ich einfach Aebby, der vollständige Name in meinem Impressum ist nur dem Abmahnwahn einiger Zeitgenossen geschuldet

  14. Vom erwähnten Buch sind noch einig originalverpackte Exemplare erhältlich. Näheres unter http://www.asupoleng.de.
    Verlag asu polng e.K.

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