It's not where you take things from, it's where you take them to. (Jean-Luc Godard)

FACITY: Die Gesichter der Welt

Autor: Ralf-Jürgen Stilz | Datum: 18. März 2010 | Kategorie: Fotografie

Das Projekt FACITY wurde von Hannes Caspar, Kerem Ergün und Martin Wunderwald Ende 2008 ursprünglich einmal als online Gegenstück zur offiziellen Werbekampagne “be Berlin” konzipiert. Heute ist FACITY ein online Fotoprojekt, in dem bestimmte Fotografen Portraits von Menschen aus den verschiedensten Städten der Welt (Face + City = FACITY) vorstellen. Derzeit kommen so zwischen zehn und fünfzehn Portraits täglich hinzu. Jetzt fragt sich der geneigte Leser ganz zu Recht: Ja und?

Katja

Wer einen Blick auf die Website wirft, dem wird schnell klar, was an FACITY so anders ist. Die Portraits sehen fast alle gleich aus. Und warum? Weil das von den Machern so gewollt ist. Es gibt ein strenges Manifest, nachdem die Fotografen ihre Portraits zu erstellen haben. Lächeln ist zum Beispiel verboten, aber lest selbst:

  1. Frontal position to the camera.
  2. Open sharp eyes.
  3. No smile. Natural facial expression.
  4. Pure faces. Hair pulled backward.
  5. No clothing visible. No glasses, no jewelry.
  6. Partial head shot.
  7. Only indoor daylight. No artificial light sources. Clean background.
  8. Aperture 2,8 with a 50 mm lens.
  9. Square format.
  10. Minimal processing.

[Quelle: http://www.facity.com/manifest]

Also nah ran, ungeschminkte und intime Einblicke. Wenig Make-up, kein digitaler Retuschepinsel und Tageslicht als einzige Lichtquelle. Wem das an Informationen nicht ausreicht, der kann sich auch gerne noch die Anleitung als PDF herunter laden. Es geht nicht um Schönheit im Sinne von TV-Spielfilm-Cover-Beauties oder um Perfektion. Im Grunde geht es um die verschiedenen Gesichter überall auf der Welt in ihren unzähligen Facetten. Die Portraits mögen vielleicht auf den ersten Blick gleich aussehen, tun sie aber nicht. Schau es Dir ruhig mal genauer an. Die Schönheit dieses Projekt erschließt sich oft erst auf den zweiten Blick. Wie es aber zum Thema Datenschutz in Zeiten der automatischen Gesichtserkennung bestellt ist, mag ich hier gar nicht weiter ausführen.

Ralph

Du willst mitmachen? Als Modell wendest Du Dich einfach an einen der FACITY-Fotografen in Deiner Stadt. Als Fotograf kannst Du Dich hier bewerben. Rechne mal mit mindestens einem Foto pro Woche. Ich bin gespannt, wen von Euch ich demnächst auf FACITY wieder sehen werde.

4 Kommentare bisher

  1. Besonders gut und vor allem unglaublich interessant finde ich, dass die Nationalitäten dabei stehen. Danke für die Vorstellung des Projekts!

  2. Das Projekt ist äußerst interessant und passt natürlich perfekt in unsere Zeit der globalen Uniformität…

    Klar, jedes Gesicht hat seinen ganz individuellen Charakter, aber durch die strengen Vorgaben wird es all den anderen Gesichtern angeglichen – es geht in der Masse unter, verliert seine Schön- und Einzigartigkeit.

    Und so hat das Projekt zumindest für mich auch sehr schnell an Reiz verloren. Nach zwanzig Gesichtern bin ich ausgestiegen…

    Trotzdem vielen Dank für den Link!

  3. Hihi, Kai Müller gehört auch zu den Fotografen. Da er aber in Rostock fotografiert, tippe ich darauf, dass keine Verbindung zum Stylespion besteht ;-)

  4. Es ist zumindest kein Fotoprojekt bei dem es reicht, regelmässig in den Feedreader zu schauen. Reizvoll ist es in meinen Augen nur, wenn man sich die Fotos z.B. nach Städten sortiert vornimmt. Es gibt einfach viel zu entdecken.

Trackbacks/Pingbacks

  1. zimtstern|in » Blog Archive » Vorstellung: FACITY.COM • 18. 03. 2010

    [...] via photoappar.at [...]

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