Shoot from the hip!

Pressefreiheit

Autor: Ralf-Jürgen Stilz | Datum: 6. April 2010 | Kategorie: Bewegte Bilder

Das geheime US-Militärvideo aus dem Jahre 2007, gefilmt aus einem US-Kampfhelikopter, welches die Tötung einer Gruppe von Zivilisten im Irak ohne ersichtliche Provokation zeigt, hat es mittlerweile auch in die deutschen Medien geschafft. Wikileaks sei Dank!

Collateral Murder von Wikileaks

In dieser Gruppe der getöteten Zivilisten befanden sich auch ein Fotograf von Reuters, Saeed Chmagh und dessen Assistent und Fahrer, Namir Noor-Eldeen. Das von der Bordkamera eines Apache-Helikopters gedrehte Video zeigt deutlich die gezielte Tötung des verletzten Reuters-Fotografen als auch der Personen, die versuchten ihn zu retten. Dass die amerikanischen Soldaten dabei noch Witze über das Töten machen, schockiert mich weit mehr als der Versuch der US-Militärs, die ganze Angelegenheit unter den Teppich zu kehren.

Auf Nachfrage von Reuters zum Verbleib ihrer Mitarbeiter gaben die Militärs keinen Kommentar dazu ab, wie die Reporter getötet wurden. Eine Untersuchung des Vorfalls ergab,

dass die Handlungen der Soldaten sich im Rahmen der Gesetzeslage für bewaffnete Konflikte sowie deren besonderen, situationsbedingten “Angriffsregeln” bewegten.

Vielerorts in den Medien und an den Stammtischen wird diskutiert, verurteilt und geflucht. Ich möchte mich daran nicht beteiligen. Ich möchte an Saeed Chmagh und Namir Noor-Eldeen erinnern.

Saeed Chmagh und Namir Noor-Eldeen (IRAQ/REUTERS)
Saeed Chmagh und Namir Noor-Eldeen Copyright IRAQ/REUTERS

Zwei Reporter, die für die Pressefreiheit gestorben sind. Saeed Chmagh und Namir Noor-Eldeen sind 2 von 139 Journalisten, die seit Beginn des Konfliktes im Irak ihr Leben liessen. Für die Wahrheit. Dafür, dass genau diese Geschichten an die Öffentlichkeit kommen. Dafür, dass wir in unseren Wohnzimmern erkennen, was Krieg eigentlich bedeutet. Das ist ein wichtiger Baustein unserer Demokratie, denn ohne Pressefreiheit bleiben Opfer unsichtbar!

VIDEONAME von URHEBER

Es ist bezeichnend für unsere Welt und die Zeiten in denen wir leben, dass es eine Institution wie Wikileaks geben muss, um diese Wahrheiten ans Tageslicht zu bringen. Umso wichtiger ist es, die Geschichte weiter zu erzählen, den toten Journalisten zu gedenken und die Pressefreiheit zu wahren und zu fördern.

via Cassandra, Netzpolitik und Fefe

1 Kommentar bisher

  1. Eigentlich könnte ich jeden Tag kotzen, wenn ich solche Geschichten höre und sehe.
    Auf der anderen Seite will die EU und die Bundesregierung Netzsperren, Zensur und Überwachung einführen, damit deren Fehler ob hier in Deutschland, in Europa oder sonst irgendwo auf der Welt nach Möglichkeit nicht veröffentlicht werden.
    Ich warte auf ein zweites Island: Die alte “Tagesschau” darf eines Tages dann nur noch den Link auf WikiLeaks zeigen.
    In diesem Zusammenhang lohnt sich das Interview bei Kuechenradio.org.

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